• 50 Jahre Werkwochen
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Das große Jubiläum im Westpark

Vom 6. bis zum 9. August 2015 veranstalteten die musisch-kreativen Werkwochen eine besondere Jubiläumswoche, in deren Rahmen das 50-jährige Bestehen mit einem großen Festakt im Aachener Westpark gefeiert wurde. Vier Tage lang konnten mit fast 200 Teilnehmern aus mehreren Generationen der Werkwochen in der Jugendbildungsstätte Rolleferberg unzählige Erinnerungen aus mehreren Jahrzehnten ausgetauscht werden. Darüber hinaus konnten, im Laufe der gemeinsam verbrachten Zeit, Jung und Alt im kreativen Schaffen in verschiedensten Formen ihre jeweiligen Erfahrungen und Kompetenzen teilen. Ob nun vom Gesang bis zum Tanz oder von der Malerei bis hin zu Werken mit Holz und Stein, stand eine facettenreiche Palette an kreativen Angeboten zur Verfügung. In familiärer Atmosphäre wurde das Angebot durch diverse Jam-Sessions bzw. Singrunden, die ein oder andere Discoparty und einen Grillabend abgerundet. Am Abend des 7. August fand schließlich die Premiere des Muscials »Die Fabrik« statt, welches den Geist der Werkwoche auf eine besondere Art und Weise auf die Bühne brachte.

Die zahlreichen, ausgelassenen Stunden des generationenübergreifenden Austauschs fanden im Laufe des Festaktes am 8. August im Westpark schließlich
ihren Höhepunkt. Im Rahmen des »KulturFestWest« wurde jeder – ob Teilnehmer, Anwohner oder Passant – herzlich dazu eingeladen sich in verschiedensten Workshops mit unterschiedlichsten Materialien und Methoden am kreativen Austausch zu beteiligen, einzubringen und weiterzuentwickeln. Zusätzlich luden mehrere Essens- und Getränkestände dazu ein, das bunte Treiben einfach in Ruhe zu beobachten und zu genießen, während das Rahmenprogramm nach musikalischer Untermalung von mehreren Bands und kleineren Aufführungen einzelner Workshops, schließlich am Abend in einen feierlichen Gottesdienst mündete. Während des Festaktes waren unter anderem auch Teilnehmer der ersten Stunde anwesend: Dr. Karl Allgaier, mittlerweile Direktor der bischöflichen Akademie Aachen, und Dr. Jürgen Linden, ehemaliger Aachener Oberbürgermeister. Gemeinsam wurde in Erinnerungen geschwelgt. Wem das noch nicht genügte, konnte im eigens dafür eingerichteten Werkwochenmuseum auf eigene Faust weiter in der Geschichte dieser fünf Jahrzehnte alten Institution herumstöbern. Kernidee dieser Erfolgsgeschichte ist die Idee des Spielenden Menschen von Pater Erich Lennartz. Schon vor über 50 Jahren erkannte er die Tendenz hin zu einer sinnentleerten, arbeits- und wirtschaftsdominierten Welt als eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft. Mit seinen Ideen wollte er einen Gegenpol bilden zur Wirtschaftslogik, die dazu neigt das Leben auf Ökonomie, Arbeit und Konsum zu reduzieren. Das aktuelle Bildungssystem verwehrt den Kindern und Jugendlichen durch Leistungs- und Wettbewerbsdruck immer mehr kreative Freiräume zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung.

Diese nötigen Freiräume und Möglichkeiten werden seit nunmehr 50 Jahren in den Werkwochen geschaffen. Die Werkwochen sind dabei keineswegs Allheilmittel in Sachen Bildung und Erziehung, aber sie eröffnen eine Perspektive darauf, was fehlt und was sein könnte. Nicht umsonst stecken sie seit einem halben Jahrhundert unterschiedlichste Menschen mit dem »Werkwochenfieber« an. Diese generationenübergreifende Verbindung wurde im Rahmen der Jubiläumswerkwoche eindrucksvoll ersichtlich.

Auf weitere 50 Jahre Spielende Menschen!

Autor: Thomas Ruddigkeit
Fotos: Thomas Langens, www.thomas-langens.de