Der Archimedische Sandkasten auf dem Katschof 

 

Riesige Feuer- und Wasserwellen, die spektakulär ineinander schwappen, furchterregende Raubfische, die mit Fangzähnen nach dem Betrachter zu schnappen scheinen, ein Sternentor, ein „Stargate“, das sternenförmig zum Durchflug eines Flugzeugs einlädt oder ein „Sandfresser“, eine Art Raupe, die aus dem „Archimedischen Sandkasten“ auf dem Katschhof wächst und eine einfache Bank zum Chillen.

 

Diese und weitere überdimensionale Kunstwerke aus insgesamt 6.000 Metern Dachlatten haben mehr als 60 Kinder und Jugendliche in der „Archimedischen Werkstatt“ im „Archimedischen Sandkasten“ erdacht, geplant und erbaut.

 

„Wir haben Quadrate aus Dachlatten versetzt zueinander zusammen geschraubt und dann mit anderen Latten verstärkt“, erklärt der 13-jährige Joris, der mit seinem Freund Matthias das Stargate ersonnen hat. Und auch Max, 13 Jahre und Nico, 12 Jahre, hatten die Idee zum großen Fisch alleine und haben zunächst ein Modell im Maßstab 1:5 gebaut, bevor sie sich an das zähnefletschende Ungetüm begeben haben.

 

„Ich bin nahezu geflasht“, bestaunte Susanne Schwier, Beigeordnete der Stadt Aachen für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport, die architektonisch-künstlerischen Arbeiten der Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 14 Jahren. Eine gelungene Verbindung von Kunst, Ferienspielen, Handwerk und dem Bezug zur Wissenschaft unter dem Motto „Zukunft bauen“. Es sei aber auch eine tolle Kooperation verschiedener städtischer Stellen, wie dem Fachbereich Kinder, Jugend und Schule, der Kunst- und Kulturvermittlung der Museen, dem Fachbereich Presse und Marketing oder – ganz wichtig – dem Aachener Stadtbetrieb.

 

Daneben hätten Sponsoren wie die STAWAG oder Baumaschinen Deubner so ein Projekt „überhaupt erst möglich gemacht“. Einerseits der Ferienspiel-Workshop, andererseits die große freie Fläche des Sandkastens, der Kinder, Familien, KiTa-Gruppen aber auch viele ältere Menschen zum Spielen,Buddeln, Relaxen, Burgen bauen, ja sogar zum Picknicken eingeladen hat: „Das war schon fast Strandfeeling mit den Liegestühlen und dem Sand“, so die Beigeordnete.

 

Die „Archimedische Werkstatt“ wurde auch in diesem Jahr von der Bleiberger Fabrik im Rahmen der Ferienspiele pädagogisch und organisatorisch mit einem Team von Student*innen unterschiedlicher Fachrichtungen begleitet. Diese wurden bei einem Seminar im Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen, Referat Bauhandwerke intensiv im Umgang mit Holzbearbeitungsmaschinen geschult, um professionell in die Workshoparbeit starten zu können. Im letzten Jahr ist eine absurde, bewegliche Maschine aus Schrott entstanden.

 

Sibylle Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik: „In diesem Jahr sind wir etwas einfacher an das Projekt herangegangen. Wir hatten nur Dachlatten, Farbe, Schrauben und Akkuschrauber. Die Inspiration und die Ideen kamen aus den Köpfen der Kinder. Gebaut haben sie auch alleine, der Betreuerstab hat nur unterstützt.“ Neben der Kunst waren vor allem Konstruktion und Statik gefragt, damit die Skulpturen auch stehen

bleiben. Begeistert war sie von den interessierten Passant*innen, die spontan Tipps gaben oder sogar mithalfen, Dachlatten anreichten, fotografierten und ins Gespräch kamen. Hier zeigte sich Kunst von ihrer besten Seite und belebte den Katschhof über drei Wochen mit einer sich stetig verändernden Skulptur.

 

Neben dem Sponsoring des Gesamtprojekts „Future Lab Aachen“ und des Sandkastens hat die STAWAG in diesem Jahr erneut für den Spaß der kleinen und großen Kinder gesorgt: Das Sandspielzeug – Schippen, Bagger, Laster – hat der Aachener Stromversorger gestiftet. „Für uns stellt sich die Frage gar nicht, ob wir mitmachen“, so STAWAG-Vorstand Wilfried Ullrich angesichts der Kunstwerke. „Die STAWAG engagiert sich für Zukunftsthemen, etwa bei Schulkooperationen. Ich finde es wichtig, für die Kinder Freiräume zu schaffen, wo sie sich ausprobieren können, wie hier.“ Lächelnd setze er hinzu: „Und wenn all unsere Baustellen so beliebt wären wie diese hier ….“

 

Rolf Deubner von Deubner Baumaschinen zeigte sich voll auf begeistert vom Sandkasten, vom Projekt „Archimedische Werkstatt“ und von den Skulpturen der Kinder: „Wenn die Stadt den Mut hat, so etwas zu ermöglichen, solche Partner mitmachen, wenn so etwas Tolles entsteht, darf man sich als Unternehmer nicht verstecken.“ Als Aachener möchte er eben auch so etwas in seiner Heimat sehen, das würde eine Stadt wie Aachen erst „lebenswert machen in einer teilweise verrückten Zeit“. Besonders hilfreich war die Unterstützung des Round Tables aus Aachen, dessen Mitglieder bei der Fertigstellung der Kunstwerke in den letzten Tagen halfen und es schafften, mit den Kindern die Kunstwerke in die Höhe zu bauen und dem Baum eine neue Krone zu verleihen.

 

Die Kunstwerke werden übrigens teilweise neue Standorte bekommen. Einen großen abstrakten Baum und die Feuer-Wasser-Welle möchte Rolf Deubner auf seinem Firmengelände platzieren – „die kann man sich dort dann gerne anschauen“ – und der Raubfisch schwimmt in den Hof des Bezirksamts in Aachen-Haaren.

 

Björn Gürtler, Presse und Marketing der Stadt Aachen