Junge Kunst im Park – Jugendkultur findet einen Platz 

 

Bereits im Jahr 2014 konnte die Bleiberger Fabrik das Kreativhaus im Moltkepark auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofseröffnen.  Als Ort für Kinder und Jugendliche wurde hier ein Modellprojekt zur aufsuchenden Jugendkulturabeit initiiert.

 

Mit zahlreichen aktivierenden Workshops und einem Programm in den Folgemonaten machte das  Holzhaus, das auf Ideen von Kindern und Jugendlichen basiert und in einem Wettbewerb unter Student*innen letztendlich realisiert wurde, auf sich aufmerksam. Neben Angeboten aus den Bereichen StreetArt, Musik und Tanz fanden Festivals und Konzerte in dem zwischen Frankberger Viertel, Ostviertel und Burtscheid gelegenen Park statt.

 

Einen gänzlich neuen Ansatz verfolgte im Jahr 2017 das Projekt „Junge Kunst im Park“: Sieben Künstler*innen aus Aachen, Köln, Berlin und Paris zogen fürjeweils zwei Wochen in das Kreativhaus ein und errichteten dort ihr Atelier. Ziel war es, jungen Künstler*innen die Möglichkeit zu bieten, ihre vertrauten Räume zu verlassen und ihre Arbeit mit neuen Eindrücken zu inspirieren. Für die Jugendlichen und jungen erwachsenen Parkbesucher*innen waren sie Anlaufstelle und Ansprechpartner in eben jenem bunt besprühten Haus.

 

Begleitet wurde das Projekt durch Serkan Karasu, Student and der Katholischen Hochschule und Mitglied im 1. Aachener Skateboardverein, der in unmittelbarer Nähe des Kreativhauses seit 2015 einen Skate-Pool in Eigenregie baut. Durch die gute Nachbarschaft in den letzten Jahren und die Verbindung zum Skateclub durch den Projektleiter fanden sich relativ schnell

Künstler*innen, die für das Konzept zu begeistern waren. Da lag es auf der Hand, dass der erste Künstler mit einem Graffiti-Atelier den Startschuss für das Projekt geben sollte. So konnten in den ersten beiden Wochen Ende Juli zahlreiche Parkbesucher*innen und Graffiti-

Interessierte dem Künstler Benjahmin Pfennings bei seinen Arbeiten über die Schulter schauen und selber Hand an die Sprühdose legen.

 

Ihm folgte der Kölner Medienkünstler Ludwig Kuckartz, der gemeinsam mit dem Komponisten Christian Klinkenberg und dem Musiker Jens Schumacher Tonkollagen im Park aufnahm, die in einem weiteren Schritt von dem Impro-Ensemble „Fliegende Kuh“,

einer Tanzkombo des KingzCorner und mit Kostümen der Textildesignerin Petra Kather visualisiert und tänzerisch dargestellt wurden.

 

Als dritte „Artist in Residence“ errichtete die Pariser Künstlerin Laureline Lê ihr Atelier im Kreativhaus. Gemeinsam mit 60 Besucher*innen in den bei den Atelierwochen fertigte sie Monotypien an. Die Teilnehmer*innen erhielten einen Einblick in diese

Form der Druckkunst und konnten ihre Werke nach einer kurzen Trockenphase mit nach Hause nehmen. Abgelöst wurde sie in der Folge von dem Berliner Künstler Tim Herten, der sich mit dem Thema „Grenzen“ beschäftigte. Im Sinne von „Ausgrenzen“ entstanden Betonskulpturen in metallenen Käfigen, die temporär einen Platz im Park fanden.

 

Am 21. August löste die Social Designerin Miriam Schmalen den amtierenden Artist in Residence mit ihrem Urban Minigolf-Projekt ab. Zwei Wochen lang tüftelte sie mit interessierten Besucher*innen ihres Ateliers an transportablen Minigolfbahnen, die auf Entwürfen der Architektin Dana Sáez basierten. Bei einem kleinen aber feinen Fest wurden die Bahnen in der Woche nach den Schulferien feierlich eingeweiht. Bei einigen Runden Minigolf konnten die Teilnehmenden des Ateliers ihre eigenen Werke auf die Probe stellen.

 

Lars Brunswicker bezog in den beiden Wochen danach das Kreativhaus und fuhr mit schwerem Geschütz auf. Gemeinsam mit Freund*innen gestaltete und goss er zwei massive Bänke aus Beton für den Park.

 

Den Abschluss der Residenzen machte die Aachener Modedesignerin Petra Kather, die gemeinsam mit Ludwig Kuckartz und den Tänzer*innen des KingzCorner die Kostüme für eine große visuelle Sound- und Tanzaufführung schneiderte. Krönender Abschluss des Projekts war das bereits zum zweiten Mal stattfindende DIY-Festival, das wir gemeinsam mit dem 1. Aachener Skateclub e.V. und im Rahmen der „Nachtfrequenz – Nacht der Jugendkultur“ veranstalteten. Hier konnten nicht nur die Künstler*innen ihre Werke der Öffentlichkeit präsentieren, sondern auch die gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen erschaffenen Skulpturen, Klangkollagen, Kostüme, Minigolfbahnen, Druckerzeugnisse und Graffitiwerke der Familie und den Freunden präsentiert werden. Hierzu gab es ein buntes Rahmenprogramm mit verschiedenen Essensständen und einem bunten Bühnenprogramm mit lokalen Bands.

 

Der geplante Skate-Contest musste leider wetterbedingt ins Wasser fallen. Als kleine Entschädigung baute der Skateclub das Kreativhaus spontan zu einer kleinen Skatehalle um. Vielleicht legten sie damit den Grundstein für die erste Skatehalle in Aachen.

 

Ziel des Projekts war es, das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs als In-Spot für Jugendkultur zu etablieren. Mit zwei DIY-Festivals und dem Projekt „Junge Kunst im Park“ ist dies bereits ein Stück weit gelungen. Wir freuen uns über junge Künstler*innen, die zwischen den Oster- und den Herbstferien 2018 ihr Atelier im Kreativhaus einrichten möchten. Denn die nächste Nachtfrequenz kommt bestimmt.

 

Axel Jansen

Leiter der Jugendkunstschule