Das Bleiberger Programm trägt nicht nur Früchte

Wir sind gerne gierig, wenn´s um etwas Neues geht. Im wahrsten Sinne neugierig waren wir natürlich auch, als wir vom Projekt „Soziale Stadt Aachen-Nord“ erfuhren. Was geht da ab? Ist das was für uns? Es war! Und wie es ab ging.

Von Anfang an: Im letzten Jahr lernten wir den Aktionskünstler Todde Kemmerich kennen, der eine spannende Idee mitbrachte. Kemmerich wollte die Produktion und Durchführung einer Kettenreaktion als Medium für Nachbarschaft und Zusammenhalt, für Geselligkeit und Meinungsbildung nutzen. Dabei sollte die Zusammenarbeit von Künstlern mit BewohnerInnen und Akteuren eines Viertels an einem final großen Spektakel die Hauptrolle spielen. Todde Kemmerich und Sybille Keupen, die Leiterin der Bleiberger Fabrik, waren sich einig: „So ein Projekt stärkt die Identifikation mit dem direkten Lebensumfeld und schafft ein Gemeinschaftsgefühl, das Menschen aus verschiedenen Generationen spielerisch zusammenbringt und nachhaltig wirkt.“ Die Idee, dafür das alte Straßenbahndepot in der Talstraße zwischen zu nutzen, bevor es nach und nach zu einem kreativen Stadtteilzentrum umgebaut wird, stellte das zuständige „stadtteilbüro aachen nord“ in Arbeitskreisen und in der Stadtteilkonferenz vor. Die Resonanz war positiv;  die Kettenreaktion begann wahr zu werden. Und so wurden wir Trägerin eines nicht ganz kleinen Projektes, das über Monate andauern sollte.

Bevor die baulichen und technischen Aufgaben einer Kettenreaktion gelöst werden konnten, mussten dafür natürlich erst einmal Menschen motiviert werden. Todde Kemmerich suchte und fand sie u.a. in der OT Talstraße, in Schulen und Kitas, in sozialen Einrichtungen und z.B. mit den Kreativen der „Designmetropole“ auch bei potenziellen Nutzern des zukünftigen Depots. Schwieriger als erwartet gestaltete sich nach der Auftaktveranstaltung mit OB Marcel Philipp am 26. Mai die Motivierung der „ganz normalen“ Leute aus Aachen-Nord. Peu a peu fanden sich aber alle Altersklassen interessiert in der Halle ein, um an offenen Bauworkshops teilzunehmen. Die eine war durch das große Banner am Zaun des Depots aufmerksam geworden, der andere hatte von der Kettenreaktion durch die mehrsprachige Megafon-Tour durch das Viertel erfahren. Die Anleitung in Workshops war allein deshalb nötig, weil die Verkettung grundlegender physikalischer Prinzipien und diverser mechanische Reaktionen, die die jeweils nächste Aktion auslösen, schon ein wenig Beherrschung des Themas verlangten. Und die musste probiert, gelernt, getestet werden. Mit jedem denkbaren Material, das mitgebracht werden konnte, aber keinesfalls für den Zweck gekauft sein sollte. Von Fässern über Federn bis hin zu Balken und Büchern war alles dabei.

Dann aber! Am 21. Juli kamen die gesammelten Werke letztlich auch durch die und mit begeisternden Lösungen von Todde Kemmerichs kongenialem Mitarbeiter, dem technischen Leiter „Posti“ in Bewegung. Schon eine Stunde vor dem Ingangssetzen durch Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer hatten sich Hunderte Menschen eingefunden, um das Spektakel „live“ zu erleben. Kemmerich, „Posti“ und einige Erbauende tüftelten bis zuletzt. Als das Publikum eingelassen wurde, gab es nur beim Anblick der bunten Konstruktionen die ersten „Ohhh´s“ und „Ahhh´s“. Nach der Begrüßung durch das „stadtteilbüro aachen nord“ und der Ansprache von Frau Dr. Schmeer gab die Bürgermeisterin der Kettenreaktion Feuer. Los ging´s auf eine wilde Reise, die auch über den Köpfen des Publikums verlief. Bälle flogen, Federn segelten, Felgen rollten, Bücher fielen, Glocken läuteten, Wasser floss, Funken zischten. Wenn´s mal hakte, machte das nichts, ein kurzer Impuls brachte die Kettenreaktion wieder auf Kurs. Dem Publikum war es einerlei. Denn es wurde Zeuge einer atemberaubenden Kunstaktion, die fast eine halbe Stunde dauerte und auch nur sehr selten zu erleben ist.

Dafür gab es minutenlangen Applaus, den sich neben Sibylle Keupen von der Projektträgerin Bleiberger Fabrik vor allen Todde Kemmerich und „Posti“ verdient hatten.

Übrigens: Wir planen im neuen Depot in der Talstraße eine Niederlassung zu gründen, um dort mit der „low-tec“ weitere jugendkulturelle Projekte zu verwirklichen. Wie geschrieben: Wir sind neugierig …

Autor: Ulrich Stratmann, Öffentlichkeitsarbeit Kettenreaktion
Fotos: Heike Lachmann, www.fotoheikelachmann.de & Todde Kemmerich, www.experimentellerrand.de

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