Woolconnection verbindet Menschen am Wollkorb 

 

 „Was machen Sie da?“ Wenn Ute Fernau im Auftrag

der Bleiberger Fabrik die großen Körbe mit der bunten Wolle in einem der Aachener Parks auspackt, erregt sie unweigerlich Aufmerksamkeit. Die Antwort: stricken, häkeln, Pompons basteln, Zöpfe flechten und damit die Stadt ein bisschen bunter machen.

 

Im eigentlichen und im übertragenen Sinne. Denn am Wollkorb entstehen Lappen und Schlangen, die Fernau anschließend um Laternenmasten näht oder in Zäune bindet. Und sie werden hergestellt von jedem, der Freude hat, mit Wolle etwas entstehen zu lassen und gleichzeitig mit seinem Nachbarn (im Moment sind es allerdings fast ausschließlich Nachbarinnen) ins Gespräch zu kommen und damit auch die Gesellschaft bunt zu machen.

 

„Woolconnection“ heißt das Projekt, finanziell unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen und mit Wolle versorgt von Martin Görg, das zwischen Juli und September durch die Parks zieht. „Der Kennedypark ist immer ein Selbstläufer. Da freue ich mich jetzt schon auf

den nächsten Termin“, meint die Erzieherin. Im öffentlich zugänglichen Grün finden unter den Nadeln die Frauen aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen ganz einfach zusammen. „Gerade geflüchtete Frauen haben oft keinen Kontakt zu anderen Nationalitäten. Sie bewegen sich in ihrer eigenen Community.“

 

Am Wollkorb werden diese Grenzen fließend: „Ein türkischer Junge hat mitten im Ramadan Mengen von Pompons für den Weihnachtsbaum der Familie gebastelt. Eine spanische Studentin wollte sich unbedingt mit gehäkelten Schneeflocken im Westpark verewigen, bevor sie wieder nach Hause reiste“, erzählt Fernau von Begegnungen und Erlebnissen, die ihr immer noch ein Lächeln auf die Lippen zaubern. „Die Kinder übersetzen zwischen ihren Müttern aus Afghanistan, Syrien und der Ukraine.“ Deutsche Frauen guckten sich gern bei den Immigrantinnen die Techniken des Strickens und Häkelns ab. „Die können das nämlich alle noch“, so Fernau. Ihre Schwiegermutter Karin Ratz ist darin auch versiert. Sie braucht immer Nadel und Wollfaden in den Fingern, strickt und häkelt aber vielleicht noch ein bisschen lieber im Park in Gesellschaft, wo sie Dank der Wollfäden ganz schnell Anknüpfungspunkte für Gespräche findet. „Vorurteile lösen sich in Luft auf.“

 

Dass die eingestrickten Pfähle, Poller und Zäune auch

immer wieder von ihren, mit einiger Mühe entstandenen, Kleidern „befreit“ werden, stört Fernau und Ratz allerdings nicht. „Damit muss man rechnen, wenn man Kunst im öffentlichen Raum ausstellt“, findet Fernau. Allerdings beginnt sie mittlerweile meist erst in luftiger Höhe mit dem Einnähen.

 

Die Neugierde der Menschen auf die Aktion und auf das Gegenüber lässt sich ohnehin nicht zerstören, nicht mal durch Regen, den es in diesem Sommer ja reichlich gab. „Beim ersten Mal haben wir noch unter einer Kastanie Schutz gesucht. Jetzt bringe ich immer einen Pavillon mit. Es kann auf jeden Fall gestrickt werden!“, betont Fernau und freut sich schon auf die nächste „Woolconnection“. Der Wollkorb war im Sommer in vielen Parks (Westpark, Park am Ludwig Forum, Ferber Park, Kennedypark) und auf vielen Veranstaltungen (Multikultiufest, KulturFestWest, DIY Festival, Tag der Integration, Alleenfest) unterwegs und hat überall begeistert.

 

Rauke Xenia Bornefeld

aus den Aachener Nachrichten vom 05.09.2017