Entdeckerreise am MOLLE

Posted on Apr 5, 2016

Ästhetischen Forschung am Kreativhaus

Der folgende Kurzbericht skizziert die Projektwoche „Molle-Entdeckungsreise 2015“. Die Projektwoche fand am Kreativhaus statt. Die Jugendkunstschule in der Bleiberger Fabrik in Aachen hat das Kreativhaus am alten Moltkebahnhof im Oktober 2014 eröffnet. Das Kreativhaus bietet Raum für künstlerisch,- kulturelle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 10-22 Jahren. Die Verantwortlichen möchten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihren Sozialraum auf kreative Art und Weise zu entdecken und zu nutzen. Die drei Master-Studentinnen: Lisa Bastgen, Laura Distelrath und Nina Weinberger, der Katholischen Hochschule Aachen mit dem Schwerpunkt Bildung und Integration hatten an dem Konzept des Kreativhauses großes Interesse und haben dieses wissenschaftlich begleitet. Im Fokus ihres Interesses stand die Fragestellung: „Inwieweit beinhaltet die Methode der Ästhetischen Forschung Möglichkeiten zur Raumaneignung im außerschulischen Bildungsbereich?“ Die methodische Ausrichtung orientierte sich an der Ästhetischen Forschung, die bisher nur an Schulen angewandt wurde und auf den außerschulischen Bildungsbereich übertragen werden sollte. Somit versteht sich die Projektwoche als Modellprojekt.

Kooperationspartner waren die Jugendkunstschule der Bleiberger Fabrik, die Katholische Hochschule Aachen und das Programm Kultur.Forscher!. Die Planung, Durchführung und Evaluation der Projektwoche erfolgte durch die drei Studiereden. Die Bleiberger Fabrik stellte den Initiatorinnen sowohl das Kreativhaus, Materialien und die Verpflegung, als auch personelle Unterstützung durch den Künstler Andreas Leifeld, zur Verfügung.

...unterwegs

…unterwegs

Das Projekt fand in der zweiten Herbstferienwoche, vom 12.10.-16.10.2015 in einem Zeitraum von 9:00-15:00 Uhr statt. Es nahmen acht Kinder im Alter von 7-11 Jahren daran teil. Jeder Morgen wurde mit einem gemeinsamen Frühstück begonnen, um 12 Uhr kam ein Cateringservice, welches die TeilnehmerInnen mit vegetarischem Essen versorgte. Am ersten Tag wurden vor allem gruppendynamische Spiele und Kennenlernspiele angeleitet, damit diese sich und die PädagogInnen kennen lernen konnten. Danach orientierten sich die PädagogInnen an den fünf Phasen der Ästhetischen Forschung. Die Grundidee der Ästhetischen Forschung ist, dass jede Person Künstler und Wissenschaftler sein kann und die verschiedenen Disziplinen miteinander verbunden werden können. Um einen Einblick in den Wochenverlauf geben zu können, werden die Phasen dargestellt und mit Bildern und Aussagen der Kinder untermalt.

  1. Thema und Frage finden

Um eine Frage oder ein Thema zu finden, konnten die teilnehmenden Kinder der Projektwoche zunächst den Bürgerpark durch eine Parkbegehung und eine Fotoschnitzeljagd erkunden und wurden dabei angeleitet, den Raum gezielt wahrzunehmen. Dabei entdeckten sie viele spannende Gegenstände. „Guck mal da hinten gibt es Schienen, da ist mal ne Eisenbahn lang gefahren“.

 „Was ist das für ein Stein?“ „Meine Mutter sagt der kommt aus dem Krieg!“ „Sieht mehr aus wie ein Container“.

Diese Wahrnehmung wurde mit Hilfe eines Fotomarathons weiter gefördert. Dabei bekam jedes Kind einen eigenen Fotoapparat, mit dem es jeweils nur ein Foto zu einer gestellten Aufgabe (beispielsweise: „Fotografiere etwas, das du mit Kunst verbindest.“) machen durfte. Diese Aufgaben schulten den Blick der Kinder für die Umwelt und gaben ihnen die Chance, Fragen zu stellen oder für sie interessante Themen zu finden.

  1. Forschen, sammeln und erfahren

Zu dieser, aus der Sicht der Kinder, interessanten Fragestellung sollten Materialien und Informationen aus den Forschungsfeldern Alltagserfahrung, Kunst, Wissenschaft und der ästhetischen Praxis recherchiert, gesammelt und geordnet werden. Die Kinder konnten für sie ansprechende Gegenstände sammeln, Fragen aufschreiben und anfangen, diesen nachzugehen. Dabei spielte das „Forscherbuch“ (zur Verfügung gestellt von Kultur.Forscher!) eine entscheidende Rolle. Es handelt sich dabei um eine Art Tagebuch mit leeren weißen Seiten, welches den TeilnehmerInnen der Projektwoche zu Beginn ausgehändigt wurde.

Die Bücher waren ein stetiger Begleiter der Kinder, in dem persönliche Aktivitäten und Erkenntnisse dokumentiert wurden. Bevor das gesammelte Material aufbereitet und der Forschungsprozess der Kinder ästhetisch gestaltet werden konnte, hatten diese die Chance sich aktuelle Kunst anzuschauen.

In der Konzeption der Ästhetischen Forschung ist die Rezeption von aktueller oder historischer Kunst tief verankert. Darum war ein Besuch eines Künstlers, dessen Atelier sich im Sozialraum befindet, ein wichtiger Bestandteil der Woche. Die Kinder hatten vor Ort die Möglichkeit, die Kunstwerke des Künstlers zu deuten und zu hinterfragen.

„Da wurde drüber gemalt“ „Farbschlacht“ „Berge“ „Papagei“ „fröhlich, betrübt, explosiv“ „Farbbombe“ „Vulkan“ „Wasserfall“ „Himmel“ „Gras“.

Sie lernten verschiedene künstlerische Techniken kennen und konnten die Materialien mit allen Sinnen wahrnehmen. Durch das Ertasten von Echthaarpinseln oder das Riechen von Farben konnten sie Materialerfahrungen sammeln. Begleitetet wurde die Besichtigung von Sibylle Keupen, der Leiterin der Bleiberger Fabrik.

  1. Material aufbereiten

Nach der Rezeption konnten die Aufbereitung des Materials und die Produktion der eigenen Werke beginnen. Durch viel Raum für Freiarbeit, die Beforschung von eigenen Fragestellungen und die ästhetische Produktion konnten die Kinder sich ausgiebig mit ihrem Material auseinander setzen. Innerhalb der Woche standen Naturmaterialien aus dem Bürgerpark wie Blätter, Pflanzen, Rinde, Moos sowie Ton und Speckstein zur Verfügung. Durch den Künstler Andreas Leifeld konnten die Kinder neue Techniken im Umgang mit ihrem Material erlernen und darüber hinaus Verfahren, die sie während des Atelierbesuchs kennenlernten, durch seine Anleitung umsetzen. Der Künstler unterstützte die Studierenden maßgeblich in der didaktischen und pädagogischen Arbeit und fungierte als männlicher Ansprechpartner für die Kinder.

  1. Präsentieren

Nachdem die Kinder ausreichend Zeit hatten, ihr Material aufzubereiten und ihre Forschungsergebnisse ästhetisch darzustellen, schloss die Projektwoche mit einer Präsentation in Form von einer Ausstellung der Werke ab. Diese fand am letzten Tag der Woche im Kreativhaus statt und wurde von Eltern und interessierten Personen besucht.

  1. Reflektieren

Am Ende der Woche fand ein gemeinsames Gruppengespräch statt. In diesem konnten die Kinder äußern, was sie besonders gut oder schlecht fanden. Viele Kinder äußerten, dass sie Spaß an der Arbeit mit Materialien hatten. „Ich fand das auch sehr toll, ehm besonders mit dem Ton und schleifen und so, also mit dem Speckstein, und ich fand das ganz und gar nicht langweilig, sondern super toll“. Darüber hinaus wurden Fragen zum Park und dem Kreativhaus gestellt, da die Studierenden daran interessiert waren, ob sich die Kinder in dem Park wohlfühlten und diesen durch die Woche besser kennenlernten.

„Ja ich kenn den auch noch, also ich kannte den früher super gut, dann hab ichs mal wieder etwas vergessen, und jetzt hab ich alles wieder neu entdeckt“.

„Ich kenn den Park hier auch schon, nur hab ich jetzt mehr Pflanzen entdeckt und ein bisschen mehr über den Park gelernt“.

Da die Kernaussage der Ästhetischen Forschung besagt, dass jeder/jede Künstler und Wissenschaftler sein kann, wurden die Kinder gefragt, ob sie sich während der Ferienwoche als Künstler und Forscher fühlten.

„Ich hab früher auch noch kein Kunst gemacht, jetzt kann ich aber ein bisschen besser“.

„Ich hab früher halt immer, fast jeden Tag gemalt, und jetzt kann ich auch mit Natursachen irgendwie so Kunst machen“.

„Also ich fand, wir hatten auch richtig viel Zeit die Pflanzen zu erforschen hier in der Umgebung“.

„Also wir haben auch viel über die Pflanzen gelernt, und ehhm halt, was es eh mit Kunst an sich hat und so“.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Projektwoche ein voller Erfolg war. Die Eltern und Verwandten der Kinder betonten, dass ihre Kinder sich wohlfühlten und gerne zur Ferienwoche erschienen sind. Die PädagogInnen haben das Setting des Kreativhauses und des Parks als sehr bereichernd empfunden und konnten mit den Kindern sowohl gruppenpädagogisch, als auch künstlerisch sehr gut arbeiten. Das Kreativhaus hat durch seine Offenheit und Niederschwelligkeit in hohem Maße zur Kreativentfaltung der Kinder beigetragen. Dadurch, dass der Zugang zum Bürgerpark jederzeit gegeben war, konnten die Kinder die Gegebenheiten und die Natur des Parks entdecken und sich den Sozialraum spielerisch und forscherisch aneignen.