Seit fast 40 Jahren bildet die Bleiberger Fabrik im Aachener Westen einen lebendigen Kultur- und Erlebnisraum. Das ehemalige Fabrikgebäude wurde vom Jugendwerk für internationale Zusammenarbeit e. V. mit Unterstützung vieler Freunde und Förderer 1979 erworben und renoviert. Jesuitenpater Erich Lennartz schuf damit die Basis für unsere musisch-kreative Bildungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Diese wird von der Jugendkunstschule, der Kulturwerkstatt und den Werkwochen getragen und durchgeführt.

Der Name Bleiberger Fabrik basiert auf der Lage des Gebäudes in der Bleiberger Straße, der Straße, die ins belgische Plomiérs führt. In seiner über 100-jährigen Geschichte hat das Gebäude unterschiedliche Handwerksbetriebe beherbergt und ist mehrmals an- und umgebaut worden.

1881: Erbauung der Bleiberger Fabrik

In diesem Jahr wird das Fabrikgebäude an der Bleiberger Straße für die Firma Detilleux erbaut. Jacques Detilleux betrieb in dem Gebäude eine Kratzenfabrik.

Kratzen, auch Karden genannt, dienen dem Aufrauen von Geweben aus Wolle und Baumwolle, insbesondere in der Tuchmacherei. Es handelt sich um einen abschließenden Veredelungsprozess in der Textilindustrie, durch den die Ware einen weicheren Griff und eine größere Wärmeisolierfähigkeit erhält.

(Quelle: Stadtarchiv Aachen)

Zuerst hat man Disteln für diesen Prozess verwendet, später wurde Kratzen aus Metall hergestellt und verwendet.

Bilder zur Fabrik können aus dieser Zeit nicht nachgewiesen werden. Es ist auch nicht bekannt, wann und warum genau die Fa. Detilleux das Gebäude aufgegeben/veräussert bzw. ob die Firma Fortbestand hatte.

Der Firmensitz von Detilleux wird in den städtischen Adressbüchern von 1889, 1891, 1893, 1895 und 1899 noch erwähnt. Ab dem Jahr 1900 taucht in den Adressbüchern „N. Detilleux“ auf, vermutlich ein familiärer Nachfolger von Jacques Detilleux, der ebenfalls auch Teilhaber der Firma J. Gillet & Detilleux im Pontsteinweg 12 war und mit einem Werk oder einem Wohnsitz in der Junkerstraße 75 in den Jahren 1879, 1883, 1885, 1887 und 1889 auftaucht.

(Quelle: Made in Aachen, Beiträge zur regionalen Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Histech, Hrsg. Peter Johannes Droste und Michael Käding, Seite 50)

1920: Erwähnung der Bleiberger Fabrik als „Jos. Beduwe, Feuerlöschgerätefbrk. u. Glockengieß“ 

(Quelle: www.albert-gieseler.de)

1925: Egidius Joseph Beduwe verlegt seine Produktionsstätte in die Bleiberger Fabrik

Egidius Joseph Beduwe (1866–1942), Unternehmer eines Metall- und Gießereiunternehmen mit Sitz in Aachen und Lüttich, nebenberuflich noch ehrenamtlicher Branddirektor und Honorar-Dozent an der RWTH Aachen, verlegt aufgrund der beengten Verhältnisse in der Wirichsbongardstraße seine Produktionsstätte zur Herstellung von Feuerspritzen und anderen Wasserpumpen in den Jahren 1925/1926 in die Bleiberger Fabrik. Grund dafür war der Dauerauftrag der Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft, aus der die heutige AachenMünchener hervorging. Diese hatte sich auf Veranlassung ihres Generaldirektors Friedrich Adolph Brüggemann und des Justiziars Robert von Görschen zum Ziele gesetzt, zahlreiche Städte und Gemeinden im Rheinland und auch über die Grenzen des Rheinlandes hinaus mit jeweils einer kostenlosen Feuerspritze auszustatten.

Die Firma Jos. Beduwe, Feuerlöschgeräte- und Amaturenfabrik, teilt sich zu dieser Zeit die Räumlichkeiten in der Bleiberger Fabrik mit weiteren Handwerksbetrieben.

Beduwe bewohnte die „Villa Margot“ an der Lütticher Straße. Nach einer letzen Werbeanzeige im Jahr 1933 sind keine weiteren Aktivitäten der Firma bekannt.

1936: Letzte Erwähnung der Bleiberger Fabrik als „Jos. Beduwe, Feuerlöschgerätefbrk.“

(Quelle: www.albert-gieseler.de)

1979: Kauf der Bleiberger Fabrik durch das Jugendwerk für internationale Zusammenarbeit e.V.

Umfassende Sanierungen des alten Baubestands

Zeitlich unbekannt: Ewald Mies betreibt Marmorgeschäft in der Bleiberger Fabrik

Ewald Mies, am 13. Oktober 1877 in Aachen geboren, unterhält in der Bleiberger Fabrik ein Marmorgeschäft. Sein Wohnsitz befindet sich zu der Zeit in der Vaalser Straße 78, was Einträge ins Telefonbuch der Stadt belegen. (Quelle: Foto)

Hier unterhielt er den vom Vater übernommenen Steinmetzbetrieb, der unter der Regie des Vaters Steinarbeiten am Dom ausführte. (Quelle: Aachener Zeitung)