Zwischen Dachstuhl und Barbarossaleuchter

Posted on Aug 9, 2018

Die Kinder der archimedischen Werkstatt erkunden den Aachener Dom

Unter der Leitung von Dombaumeister Helmut Maintz erwartete die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Archimedischen Werkstatt“ am Mittwoch, den 8. August 2018 ein besonderes Highlight. Im Rahmen ihrer Teilnahme an diesem Ferienspielangebot der Stadt Aachen in Kooperation mit der Bleiberger Fabrik und dem Round Table 58, stand der Besuch des Oktogons an. Genauer gesagt, der Dachstuhl des Oktogons. Der Teil des Aachener Doms, der aus karolingischer Zeit stammt und somit der älteste Teil des Gesamtbauwerkes ist und der besonderen Pflege und Aufmerksamkeit bedarf.

Es ging hoch hinaus. 152 Stufen, flach und leicht begehbar. „Auch und vor allem begehbar für die vielen Mulis und Esel“, so Helmut Maintz, „die seinerzeit die vielen Steine und Mörtel hochschleppen mussten“.

Jahrhunderte altes Wissen über Baukunst

Die rund zehn aufgeregten und gespannten Kinder waren mucksmäuschenstill beim Aufstieg, um die gerade stattfindende Messe nicht zu stören. Dombaumeister Maintz erzählte den Kindern etwas zur Entstehungsgeschichte des faszinierenden Gotteshauses, berichtete jedoch besonders anschaulich und ausführlich über die zahlreichen Notwendigkeiten, die zur Erhaltung und ständigen Sanierung des Doms erbracht werden müssen. Eben über die „Dombauhütte“, die in diesem Jahr zum immateriellen Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. „Die Erhaltung des kunsthistorischen Ensembles von europäischer Bedeutung erfordert sehr viel Pflege“, so der Dombaumeister, der seit rund 30 Jahren diese Aufgabe innehat und den Kindern die Wirkungsweise von Eisenankern erklärt, was es mit dem Herzogenrather Sandstein auf sich hat, wie aufwändig es ist die ständigen Witterungsschäden zum Beispiel an den Wasserspeiern zu beheben und nicht zuletzt wie ausgeklügelt das Brandschutzsystem funktioniert, falls es zu einem Brand im Dachstuhl kommen sollte.

Gebannt hingen die Kinder an den Lippen des Dombaumeisters und hatten keine Sekunde Langeweile bei der fast zweistündigen Führung unterm „Dach“. Ein besonderes Highlight war noch der Blick hinunter ins Oktogon von der letzten Öse des Barbarossaleuchters. „Die Menschen sind ja winzig“, so ein Teilnehmer und war beeindruckt. Als es dann wieder abwärts ging und die 1200 Jahre alte Baugeschichte des Doms die kleine Gruppe ins sonngleißende Licht des Katschhofes entließ, hieß es erst einmal Pause machen. Die zahlreichen Holzlatten mussten ein paar Minuten warten, ehe sie weiter zu ganz eigenen, kreativen Gebilden unter Berücksichtigung von Statik und ganz neuen Eindrücken zusammengehämmert und angemalt wurden. Zu beeindruckend war dieses Eintauchen in jahrhundertealte Wissen von Baukunst.

Die „Archimedische Werkstatt“ belebt den Katschhof noch bis zum 17. August. Die sich ständig verändernden Skulpturen in Anlehnung an das Oktogon und die Kapellen begeistern Aachener wie Touristen aus aller Welt gleichermaßen.

 

Bettina Mennen

Freie Mitarbeiterin